ZX12R 50.000km - na und ?
oder wie fährt Jörn 50.000km ohne Probleme
Es
war der 14.10.01, A7, irgendwo zwischen Kassel und Göttingen.
Genau ein Jahr, 5 Monate und 4 Tage, nachdem ich meine Kawasaki ZX 12R bei Martin
Brandt in Hamburg geholt habe.
Langsam versank die Sonne links von mir hinter den Bergkuppen. Mit etwa 240
km/h zog ich meine Bahnen, beinahe hätte ich es verpasst. 49.999 km zeigte
mein Tripzähler, schnell auf die rechte Spur, um den denkbaren Moment nicht
zu verpassen, der Moment, an dem einem normalen Dauertest - Moped des Herz zerrissen
wird, um jede Schraube sorgsam zu vermessen. Der Tacho sprang um. 50.000 km
... hmm, irgendwie hatte ich mir das spannender vorgestellt. Ich zog wieder
nach links und setzte meinen Weg nach Hamburg fort.
Was hätte auch passieren sollen? Nie hat sie mich im Stich gelassen, sprang
immer auf Schlag an, hat keine Zicken gemacht und hat meinen Gas-, Brems- und
Lenkimpulsen gehorcht. Wir waren zusammen in Griechenland, in den Alpen, im
Schwarzwald, im Harz und in Frankreich, dort bis runter in die Pyrenäen.
Es freut mich immer wieder, wie souverän man schnellen Autobahnetappen
und kleine enge Pisten fahren kann.
Mir fällt auf, dass ich immer noch nicht weiß, wie schell das Moped
eigentlich läuft. Jeder fragt mich danach und ich zucke nur die Achseln.
Ein mal habe ich es probieren wollen. Aber wer sagt mir, dass mich der Opa da
vorne auf der rechten Spur gesehen hat? Schon gar nicht wird er mit meinem Tempo
rechnen, wenn er plötzlich doch nach links ausschert. Ein kurzer Blick
auf den Tacho, 320 km/h, und mein Selbsterhaltungstrieb setze ein. Runter vom
Gas. Und siehe da, Opa setzt den Blinker.... 200 bis 250 km/h sind als Reisetempo
völlig ausreichend, aber es ist schön zu wissen, das da noch so manches
mehr geht.

Eine MRA - Spoilerscheibe erhöht den Komfort und lässt auch lange
Etappen mit hohem Tempo zu.
Der Motor ist ohnehin eine Wucht. Ob schaltfaul gefahren oder in den Roten Bereich
gezogen - Leistung ist immer genug vorhanden. Während die 600derter Piloten
mühsam zwei Gänge runterschalten, drehe ich einfach den Hahn auf -
und bin weg, noch ehe die den richtigen Gang getroffen haben.
Hinzu kommt das stabile und handliche Fahrwerk, dass es den anderen ohnehin
schwer macht, in den Kurven dranzubleiben. Wie gesagt, sie war immer da, immer
gleich hell wach, auch nachdem sie im Winter mal zwei Monate draußen stand
und vergeblich auf einen Einsatz warten musste.
Draufsetzen, losfahren, wohlfühlen, so habe ich mir das immer vorgestellt.
Die beiden Sechs-Kolben-Zangen vorn verzögern sauber und zuverlässig,
wenn nötig auch brachial.
Gut zu wissen, dass
sie
notfalls fast jedes herkömmliche ABS locker ausbremsen. Das Aufstellmoment
in Kurven ist äußerst gering, insbesondere mit den von mir favorisierten
Bridgestone BT10/BT11.
Eingeschlagene Linien lassen sich zielgenau fahren und , wenn es nötig
ist, auch ohne Probleme korrigieren.
50.000 km Fahrspaß. 210 mal musste ich Sprit bunkern, insgesamt 3.670
Liter, was einen Schnitt von 7,3 l/100 km entspricht.
Der Maximalverbrauch auf der Rennstrecke lag bei 11 Litern, 10,7 Liter waren
es auf der Autobahn. Dafür werden auf der Landstraße oder bei Passfahrten
nur 5,6 bis 6,5 Liter verbraucht.
8 Hinterreifen (also durchschnittlich 6.250 km pro Reifen) und 6 Vorderreifen
haben ihr Profil am Asphalt abgerieben.
Nimmt man 1,95 je Liter Super Bleifrei an, ergeben sich KM-Kosten von 43,7 Pfennigen
(inklusive Steuern, Vollkaskoversicherung, Sprit, Reifen, Inspektionen, Verschleißteilen).
Addiert man auch noch einen angenommenen Wertverlust von 10.000,00 DM hinzu,
steigt der KM-Preis auf 63,7 Pfennige.
Das ist wohl der einzige Wehrmutstropfen, den ich über die Zeit hinnehmen
musste.
Zugegeben, die Kupplung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und
bei Pässen über 1.500 m Höhe sollte man vorher das Standgas etwas
hochdrehen, aber ansonsten fällt mir nicht viel ein, was ich an der Maschine
zu kritisieren hätte.
Für eine gerissene Antriebskette bei 24.000 km ist wohl eher mein Pflegemangel
verantwortlich. Da hatte ich jedoch Glück. Sie ist beim Herausbeschleunigen
von einer Autobahntanke (etwa 200 km/h) einfach abgelaufen ohne Spuren an mir
oder dem Moped zu hinterlassen.
Weniger Glück brachte mir kurz darauf jedoch ein Ölfleck, der mich
auf gerader, aber nasser, Fahrbahn zu Fall brachte. Die linke Verkleidungsseite
musste komplett getauscht werden (Vollkasko sei dank...). Bei der Gelegenheit
verpasste ich ihr auch eine Phoenix-Rhemus Rastenanlage, die die ohnehin schon
großzügige Schräglagenfreiheit noch weiter verbessert und dazu
optisch auch noch einiges her macht.
Ansonsten ist vielleicht noch zu erwähnen, dass die 12er zwischen den Inspektionen
keinen Tropfen Öl nachgeschenkt bekommen musste, es keinen außerplanmäßigen
Werkstattaufenthalt gab und dass auch ich (außer für Kettensatz und
Bremsbeläge) nicht schrauben musste. Sämtliche Inspektionen wurden
bei Martin Brandt ausgeführt.
Vielleicht sollte ich mich hier mal bei den Mechanikern für die offensichtlich
gute Schrauberleistung und bei Boris für die teils dicht aufeinanderfolgenden
- und meistes auch eiligen - Inspektionstermine bedanken. Ich habe mich immer
gut aufgehoben gefühlt, zumal die 12er mein erstes neues Moped ist und
ich sonst immer alles selber geschraubt habe.
Bereut habe ich den Kauf der 12er nie. Und ich wüsste auch nicht, was ich
mir statt dessen kaufen sollte. Also werde ich sie weiter fahren.
Wohl bestimmt noch zwei Jahre, dann hat sie 100.000 km, genau wie meine in Ehren
ergraute ZX10.
So, und jetzt muss ich die 48.000der Inspektion nachholen lassen und ich sollte
sie mal über den Winter putzen, damit die nächste Saison kommen kann.
Auf die nächsten 50.000.
Gruß Euer Jörn