|
Nach
einer mehr oder weniger bewegten Motorradvergangenheit,
mit den unter-schiedlichsten Mopeds, sollte
Mitte `94, nach einem 14 tägigen Intermezzo
mit einer Honda XL 600 R (Ihr kennt die Geschichte
vom Affen auf dem Schleifstein?), etwas "Anständiges"
ins Haus. Durch ein wenig Glück erstand ich
eine Kawasaki ZX 10. Das war`s! Power im Überfluß,
gutes Fahrwerk, relativ günstig im Unterhalt
-kurzum- mein Motorrad.
Die
"dicke Sau", wie sie mal lästerhaft
in einer Lesererfahrung genannt wurde, und ich
erfuhren uns viele schöne Kilometer. Leider
hatte ich eine Kinderkrankheit der ZX 10 unterschätzt.
Ich fuhr zu lange mit rubbelnden vorderen Bremsscheiben.
Lohn dieser "Arbeit" war, daß sich
die Lagersitze des Lenkkopflagers im Rahmen
weiteten.
Was
konnte ich tun? Nach einigem hin und her entschied
ich mich dafür, einen gebrauchten Rahmen zu
erstehen. Und dann? Die Bremsscheiben waren
immer noch hin. Also neue Scheiben; aber moment
mal, war die Bremsanlage der ZZR 1.1 nicht immer
sehr gelobt worden? Ja und? Die Bremsscheiben
passen doch nicht auf die ZX 10-Felgen. Ja,
aber man könnte doch...
Wie
dem auch sei, keimte ungefähr zu diesem Zeitpunkt
in mir ein Gedanke, der meine bessere Hälfte
erschauern ließ; es stand fest: die ZX wird
umgebaut!
Grundgedanke
war, das Fahrwerk der ZZR 1.1 zu übernehmen,
weil die Brems-scheiben nur auf die Felgen der
ZZR passen, diese wiederum aber auch nur in
die entsprechende Gabel, bzw. Schwinge. Und
wenn schon hinten die 5,5 "-Felge rein-kommt,
dann könnte man doch auch gleich einen 180er
Reifen montieren.
Na ja, eine ZX mit ZZR-Fahrwerk -zumindest mit
180er Reifen- gab`s schon, also mußte (wollte)
noch mehr verändert werden.
Man mag mich schelten, aber die Optik der ZX
9 R gefiel mir doch sehr. Was lag da näher,
als sich nach einer Verkleidung und einem Heckteil
umzuschauen. Also trieb ich den Umsatz diverser
Verlage und den der Telekom hoch, um Anzeigen
für Gebrauchtteile zu studieren und die Preise
zu vergleichen. Als ich dann jedoch die Preisvorstellungen
für gebrauchte Originalverkleidungen hörte,
orderte ich eine Nachbauverkleidung aus GFK
mit Gutachten. Ein Heckteil samt Sitzbank konnte
ich allerdings recht günstig gebraucht erstehen.
Fehlte nur noch ein Scheinwerfer. Original-ZX
9 R ? - zu teuer! Also wurde ein Aprilia-RS
250-Teil gekauft. Die Fahrwerkskomponenten wurden
hier und dort geordert. Als alle Teile beisammen
waren, wurde der Keller zur Werkstatt erklärt.
Die wurde dann vorrübergehend zur zweiten Heimat.
Nachdem der Rahmen und die Felgen mit Kunstoff
beschichtet waren, nahm ich die tatkräftiger
Hilfe eines Bekannten (Hallo Stefan!) in Anspruch,
um die Schwinge und die Gabel einzupassen. Da
die Gabel der ZZR einen größeren Standrohrdurch-messer
aufweist als die der ZX, mußten noch andere
Lenkerstummel her. Diese lieferte eine ZXR 750.
Allerdings montierte ich sie seitenverkehrt,
um sie oberhalb der Gabelbrücke befestigen zu
können. Die Verkleidung mußte sich schon wegen
des anderen Scheinwerfers einige Modifikationen
gefallen lassen, die sich insgesamt aber in
Grenzen hielten. Das Heckteil wurde mit einem
selbstgefertigten Träger montiert. Die Bremsen
stattete ich bei dieser Gelegenheit mit Stahlflex-Leitungen
aus. Um den richtigen Bodenkontakt herzustellen,
wählte ich vorn den Metzeler ME Z1 im Format
120/70 VR 17 und hinten den Metzeler ME Z2 180/60
VR 17. Diese Paarung hatte sich mir schon im
Originalformat durch Verschleißfestigkeit, gutem
Handling und gutem Grip empfohlen.
Nachdem
der "gemischte Salat" angerichtet
war, stand der Vorführung beim TÜV in Norderstedt
nichts mehr im Wege. Natürlich hatte ich mich
im Vorfeld schon mit einem Prüfer vom TÜV über
die Machbarkeit des Geplanten unterhalten. Ich
hatte z. B. Probleme mit der Verkleidung gesehen,
da sich das Gutachten nur auf das Material bezieht,
nicht aber auf die Auswirkung bezüglich des
Fahrverhaltens der ZX 10. Ebensowenig war abzusehen,
wie die ZX auf den 180er reagieren würde, denn
Gutachten gab es nur für 170er ME 1. Mein Ansprechpartner
äußerte sich aber zuversichtlich. Da es hier
nicht mehr um einzelne Eintragungen ging, sondern
um die Erstellung eines neuen Gutachtens über
das gesamte Fahrzeug, müsse ein Fahr-versuch
durchgeführt werden. Dieser eröffne die Möglichkeit,
auch ohne Gutachten einzutragen.
Aha, das hört sich teuer an! Zudem kann der
Prüfer sich richtig austoben und am Ende alles
kippen, weil ihm irgendetwas nicht paßt. Denkste!!
Denn, lange Rede kurzer Sinn: nach etwa einer
zweistündigen Wartezeit und einem verschmerzbaren
Loch in der Geldbörse, hielt ich ein Gutachten
über meine ZX
10 in Händen, das neben den gewünschten Eintragungen
noch den wahlweisen Einmannbetrieb (Soziussitzabdeckung),
eine Laser 4 in 1, die alternativen Reifen-paarungen
ME Z1 vorn und hinten sowie die Bridgestone
BT 54 enthielt. Diese zusätzlichen Eintragungen
kamen übrigens nur durch Fachsimpelei
und aufgrund der Erfahrung des Prüfers zustande.
Nun folgte die Farb- und die -ja, ihr lest richtig-
Namensgebung, denn ich wollte nicht, daß dieses
Motorrad nur einfach ZX
10 heißt. Die Farbe war schnell gefunden
und aufgebracht. Die Suche nach dem Namen war
etwas schwieriger. Ich wurde dann aber im Duden
fündig. Dort laß ich unter "Phantom"
die Bedeutung "Trugbild". Bingo! Das
sollte er sein.
Nach der Endmontage im Mai 1997 folgte der erste
Ausritt. Ich war begeistert und bin es noch,
denn erstens läuft die "Phantom"
auf dem ZZR-Fahrwerk sehr gut, da die Handlichkeit
und das Fahrverhalten dem der ZX 10 gleich sind,
vielleicht sogar etwas besser, und zweitens
ist es schon ein geiles Gefühl mit einem selbstgebauten
Einzelstück durch die Gegend zu fahren. Wenn
nun jemand meint, mit einem derartigen Breitreifen
kann die ZX 10 nicht handlich sein, muss ich
dem widersprechen. Ich denke nämlich, dass der
180er auf der 5,5 "-Felge seine Kontur
richtig aufbauen kann. Ein 170er auf einer 4,5"-Felge
kann das sicher nicht. Von daher wird es Unterschiede
im Handling zu Gunsten des breiteren Reifens
geben.
Nach alledem fragt Ihr nach dem Preis? Nun,
wie heißt es so schön? Der Erbauer genießt und
schweigt, das gilt auch für die Arbeitsstunden.
Laßt Euch aber gesagt sein, zu teuer war es
nicht.
Und die dicke Sau? Nun, im vergangenen
Jahr bekam ich mit einem absolut unschlagbaren
Angebot eine ZX 9R vor die Nase gestellt. Tja,
ich konnte nicht widerstehen, und deshalb fährt
jetzt jemand anderes die
Phantom. Aber ich bin wenigstens der Marke
und der ZX-Reihe treugeblieben. Außerdem fährt
meine Freundin noch eine ZX 10. Wenn ich also
mal Lust habe, dann ...
Wenn
Ihr Fragen habt, stehe ich gern zur Verfügung.
Meine Mail-Adresse lautet
Dirk
Matthiesen, Kiel
|